„Vom Leben, um zu arbeiten, hin zum Arbeiten, um zu leben – und endlich angekommen bei der Liebe zur Arbeit!“

Alexandra König

Ich habe fast keine Bilder aus meiner frühen Kindheit im Kopf. Das erste, an das ich mich erinnern kann, ist, dass ich als ungefähr 8-Jährige immer von Zuhause abgehauen und zu einem Ponyhof gefahren bin. Dort habe ich sofort dieses wunderbare Gefühl der Zugehörigkeit erlebt. Wenn ich stundenlang die Pferde auf der Koppel beobachtet habe, wusste ich: Da bin ich daheim.

Auf diesem Ponyhof habe ich mir auch das Reiten ohne Sattel selbst beigebracht. Nach und nach habe ich festgestellt, dass ich selbst mit schwierigen Pferden gut umgehen konnte. Und schließlich wurde der Wunsch immer stärker, mit Pferden zusammen zu sein – und mit ihnen zu lernen, aber auch von ihnen.

Dass ich damals noch sehr im mechanischen Reiten war und kaum wirkliche Verbindung hatte, habe ich erst viel später erkannt.

Ich hatte schon immer eine ausgeprägte Sinneswahrnehmung und konnte Stimmungen von Menschen und Tieren erfühlen, bevor diese zum Ausdruck kamen. Ich lernte aber sehr schnell, dass es besser war, über diese Fähigkeiten zu schweigen, da ich damit immer wieder auf großen Widerstand von außen stieß.

Die ständige Flut aller Stimmungen der unterschiedlichsten Menschen um mich herum und die Schwierigkeit, mich abzugrenzen und bei mir selbst zu bleiben, schlug sich deutlich auf meinen Körper nieder: Schon ab meinem 10. Lebensjahr war ich oft krank und hatte ausgeprägte Schmerzen. Zahlreiche Operationen folgten. Um den Ursprung und die Zusammenhänge von Krankheit besser verstehen zu können, eignete ich mir in zahlreichen Seminaren ein breites Wissen an. Im Laufe der Jahre stieß ich dabei auch immer mehr auf die fernöstlichen Lehren, in denen ich letztendlich Erklärungen für die energetischen Prozesse im Körper und ganzheitliche Heilungswege fand.

Erst viel später, als ich im Verstehen der Pferde immer geschulter wurde, erkannte ich, dass viele Inhalte dieser uralten Lehren auch den Lebensprinzipien und dem Verhalten der Pferde gleichen.

Mit 25 Jahren bekam ich einen wundervollen Sohn. Mit Dennis habe ich gelernt, welch wichtige Aufgabe es ist, von Beginn an Verantwortung für das Leben eines anderen zu übernehmen.

Mit 29 Jahren kaufte ich mir mein erstes eigenes Pferd: Morris, einen erst dreijährigen Wallach, der bereits aufgrund seiner Aggressionen und Gefährlichkeit beim Schlachter stand. Was war passiert, dass ein so junges Pferd bereits so schwerwiegende Verhaltensstörungen zeigte?

Ich wollte alles über die Ursachen erfahren und erforschen.

Von da an begann meine Reise durch sämtliche Trainingsställe. Aber egal, wo ich in meinen darauf folgenden Ausbildungen über die unterschiedlichsten Umgangsformen mit Pferden lernte, überall lag der Fokus so sehr auf der Gymnastizierung der Pferde, um sie auf ein Dasein als gute Reittiere vorzubereiten, dass auf die psychischen Bedürfnisse einfach nicht geachtet wurde.

Schnell wurde mir klar, dass Ausbildungswege, die sich auf ein Lehren mit Hilfe von Zwang und Gehorsam stützen, für mich nicht mehr in Frage kamen.

So versuchte ich mich alleine weiter zu entwickeln.

Ich hatte Glück und konnte einen alten Bauernhof finden, der Platz für zwölf Pferde bot. Dort begann ich „meine Herde“ aufzubauen: Ich wählte hauptsächlich Pferde, die bereits Verhaltensstörungen zeigten, und junge Pferde. Sieben Jahre lang lebte ich auf engstem Raum mit meinen Tieren zusammen und es gelang mir erstmals, mit meinen eigenen sensiblen Fähigkeiten zu experimentieren.

Während ich die Körpersprache der Pferde studierte und ihnen im Umgang mit mir völlige Entscheidungsfreiheit lies, wurden sie immer mutiger. Die Pferde brachten mir schließlich bei, was man brauchte, um mit ihnen “friedlich” kommunizieren zu können und sie trainieren zu dürfen, ohne sie zu entwürdigen.

Parallel zu meinem autodidaktischen Lernen besuchte ich weiterhin zahlreiche Seminare.

Ich spezialisierte mich immer mehr auf das Auslesen der Körpersprache der Pferde – und erkannte, welche verborgenen Weisheiten für uns Menschen aus einer kraftvollen und gleichberechtigten Verbindung zwischen Mensch und Pferd zu ziehen waren:

Die Pferde reagierten bei mir auf jedes Ungleichgewicht im Zusammenspiel meines Körpers und Geistes. Sie lehrten mich in all den Jahren ganz detailliert, was ich selbst verändern musste, um mehr Erfolg mit weniger Energieaufwand zu haben, und um Freiheit, Friede, Lebensqualität und vieles mehr zu erreichen. Innerlich machte mich diese Persönlichkeitsentwicklung so stark, dass sich dadurch meine Ausstrahlung komplett veränderte und mir die Pferde nun frei von jeglichem Zwang sämtliche Dressurlektionen anboten, nur um mir zu gefallen. Ab diesem Moment wußte ich, welch hohe Bedeutung diese Lebewesen für denjenigen haben können, der von ihnen lernen möchte, ein besserer und erfolgreicherer Mensch zu werden.

Um mit diesem Wissen den Menschen zu dienen, gründete ich 2009 die Saliho School. Der Lebensphilosophie, die ich bei meiner Herde bis heute spüren kann, und ihrem Handeln fühle ich mich auf beinahe magische Weise verbunden.

Meine Pferde zeigen mir täglich, wann ich stagniere und unbewusst in alte Verhaltensmuster falle oder wann ich neue Aspekte meiner Persönlichkeit zur Entfaltung gebracht habe.

Daher ist es ein immerwährender Prozess des Lernens.

Jetzt leben wir an einem wunderbaren Ort in Dorfreit, an dem ich dank des großen Seminarhauses das Ausbildungszentrum vergrößern konnte und somit noch mehr Möglichkeiten habe, die Pferde auch weiterhin zu erforschen. Die Pferdesprache und all ihre Fähigkeiten, uns Menschen bei einer gesünderen Lebensweise zu unterstützen und das für alle Pferdefreunde zu übersetzen und in Filmen und Seminaren in die Welt zu bringen, das treibt mich immer weiter an.

Meinen Schülern hier in Dorfreit beim Lernen Ruhe und ein Wohlgefühl zu bieten, steht für mich an erster Stelle.

Gleichzeitig haben meine Tiere und ich jetzt dort eine Ruheoase gefunden, in der wir sehr freiheitlich leben und viel Zeit miteinander verbringen können.

Beides sind heute wohl mit die kostbarsten Güter, die ein Mensch finden kann.

Meine beruflichen Erfahrungen sind geprägt von meiner Zeit beim FC Bayern München. Der Verein war über 30 Jahre lang meine zweite Familie.

Da mein Vater schon immer ein großer Verehrer des FC Bayern war, war es für ihn mehr als nur ein Job, das Club Restaurant des FC Bayern in der Säbener Straße zu führen. Dort habe ich bereits als 13-Jährige meinen Eltern in der Küche und beim Bedienen der Gäste geholfen.

Mit der Gründung eines eigenen Busunternehmens übernahm meine Familie dann schließlich auch die Busfahrten der Mannschaften des FC Bayerns zu allen Spielen.

Mit 20 Jahren stieg ich in das Familienunternehmen mit ein und fuhr bis Dezember 2018 den Mannschaftsbus der Profis.

Früher habe ich kein Auswärtsspiel ausgelassen – egal ob Freundschaftsspiel in der Provinz, DFB-Pokal in Berlin oder Champions League in Barcelona, überall war ich mit dem Bus dabei. Hier durfte ich im Laufe der Jahre viele wunderbare Dinge lernen: Z.B. wie man die Vorraussetzungen dafür schafft, dass die Profifußballer, aber auch alle anderen Angestellten, ihre Fähigkeiten voll zur Entfaltung bringen können. Und wieviel Erfolg möglich ist, wenn ein optimales Zusammenspiel zwischen Trainern, Managern, Spielern und den Betreuern stattfindet. Zusammenarbeit habe ich nirgendwo so professionell und harmonisch ineinander fließend erlebt wie bei den Profis des FC Bayern.

Ich wußte aber auch die ausgedehnten Leerfahrten zu schätzen, bei denen ich meine Musik hören oder einfach nur nachdenken konnte.

Der FC Bayern war für mich wie eine Familie. Der Zusammenhalt in so einer Profiabteilung zeigte mir, wie alle über sich hinauswachsen können, wenn man einer Vision folgt. Dass die Saliho School mit den vielen von mir geretteten und frei gekauften Pferden von mir getragen und aufgebaut werden konnte, verdanke ich zuletzt auch der finanziellen guten Bezahlung dieses erfolgreichen Vereins.

Mit einem weinenden Auge habe ich mich Ende 2018 vom FC Bayern  verabschiedet.

Danke an alle Kollegen, Vorbilder, Mentoren und die Mannschaft!